Der Mann, der die Comics liebte

Manches lässt sich mit Bildern einfach besser sagen als mit Text. Vor allem traurige Sachen. Rautie, einer der produktivsten und bekanntesten Künstler der Independent-Comicszene, hat  Bert Dahlmann gezeichnet, und zwar mit Heiligenschein und auf einer Wolke, und statt einer Harfe oder einer Lyra, die ein Putto zwangsläufig hielte, hat er ihm ein mehrfach kadriertes Blatt in die Hand gedrückt: vier kleinen Quadrate oben, plus – splash! – ein doppelt so großes Panel im Seitenkeller, also richtig mit eigenen Rhythmus und Dramaturgie, so, wie ein guter Strip funktioniert.

Und damit ist auch das Wesentliche mitgeteilt, mit einem Lächeln – obwohl es an Tristesse kaum zu überbieten ist, dass es immer die Falschen erwischt und die besten zuerst: Bert Dahlmann ist tot. Und auch, wer gar nichts weiß, ahnt dank des Bildes: Der am 18. November 1963 geborene Bremer hatte viel mit Comics zu tun. Und er hatte ein engelsgleiches Händchen für dieses faszinierende Bi-Medium, dessen Textbildalchemie alles – Zeit, Raum, Welt und Logik – neu zu ordnen vermag.

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Comics, die keiner kennt

Erbaulich sind die Comics des Belgiers Carl Roosens nicht gerade: Auf vollgestopften Zeichnungen wimmelt es von Gestalten mit verzerrten Fratzen, die es wenig lustvoll miteinander treiben. Ein nackter Riese mit Dreitagebart hebt spielerisch ein parkendes Auto in die Luft, während er einem anderen aufs Dach pisst. Die Szenen sind roh und skizzenhaft, spiegeln eher alptraumhafte Eindrücke als linear erzählte Geschichten.

Zumindest diese Station der Ausstellung „Belgische Independent-Comics – Zwischen Alltagskultur und Avantgarde“ im „Projektraum 404“ weckt Erinnerungen an die Zeit, bevor die Comics es sich unter dem Label „Graphic Novel“ im Kulturbetrieb gemütlich gemacht haben. Und natürlich ist das Absicht.

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