Keine Helden, keine Monster

Erst auf den zweiten Blick verlieren die Zeichnungen den Sinn: Gerade noch war hier ein Totenkopf, dort ein Finger mit lackiertem Nagel. Aber nichts davon ist wirklich auf den Grafiken der New Yorker Künstlerin Rosaire Appel abgebildet. Und was geübte ComicleserInnen für Schrift halten müssen, entpuppt sich als bedeutungslose Zeichenkette. Es handelt sich nicht um eine fremde Sprache, sondern lediglich um Formen in Panels.

Zu sehen sind diese abstrakten Comics derzeit im Bremer „Projektraum 404”. Galerist Gregor Straube widmet sich hier seit eineinhalb Jahren nicht nur, aber vor allem dem Comic, dessen künstlerische Bandbreite er von den Rändern her erschließt. Out­sider-Art hat er bereits gezeigt und mit den Kollektiven „Habeas Corpus“ und „Nos Restes“ Szenegrößen des Belgischen Indie-Comics ausgestellt: brutale Geschichten mit Sex und pissenden Monstern. Doch die abstrakten Formen sind nicht weniger aufregend. Es ist die bisher größte Ausstellung der Galerie – zu groß für die nur zwei kleinen Räume und darum auf drei Etappen verteilt. An diesem Wochenende eröffnet Straube den abschließenden dritten Teil.

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