Blümchensex im All

Endlich am Ende des Labyrinths angelangt, steht Weltraum-Amazone Barbarella überrascht vor ihrer bisher größten Herausforderung: „Wie soll ich weiterkommen, wenn es gar keinen König zum Verführen gibt?“, fragt sie: „Was nun?“ Denn die Weltraumbluse aufzuknöpfen und mit Freund und Feind zu schlafen, das ist ihre über den gesamten Comic erprobte Strategie. Sex ist das, was Barbarella eben tut. Ihre Strahlenpistole ist Nebensache. „Blümchensex im All“ weiterlesen

Charta gegen den Sexismus

Die im Folgenden erstmals auf Deutsch dokumentierte Charta der Comic-Künstlerinnen gegen den Sexismus des von Lisa Mandel  2013 initiierten,  und inzwischen – Stand Mitte Juni 2016 – auf 221  Autorinnen angewachsenen Colllectif des créatrices de bande dessinée ist kein Endpunkt der Debatte und markiert auch natürlich nicht ihren Anfang.

Aber indem sie für eine unter einer  Mehrheit der stilistisch, künstlerisch und auch politisch sehr unterschiedlichen, sehr individualistischen frankophonen Comic-Künslterinnen konsensfähige Standortbestimmung sorgt, setzt sie auch einen   wichtigen Impuls für die Debatte über die Neunte Kunst.

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Sieg und Scheitern der Suffragetten

Wer die Geschichte der Suffragetten-Bewegung als heroisch-solidarischen Aufbruch der „einfachen Frauen“ serviert bekommen will, muss ins Kino gehen. Im Comic „Sally Heathcote – Suffragette“ dagegen, der im Deutschen unter dem sperrigen Titel „Votes for Women. Der Marsch der Suffragetten“ bei Egmont erschienen ist, bleibt die Spannung und die Dynamik der frühen Frauenbewegung erhalten. Seine Autorin, die Historikerin Mary M. Talbot macht sie auch erzähltechnisch schon in der Exposition mit harten Übergängen regelrecht spürbar: Die ersten fünf Seiten des ersten Kapitels spielen an vier unterschiedlichen Schauplätzen, sie springen vom Herbst 1969 in den Sommer 1912, um dann vom 5. Oktober 1912, dem historischen Datum des  Bruchs zwischen den historischen Frauenrechts-Ikonen Emmeline Pankhurst und dem Feministen-Ehepaar Emmeline und Frederick Pethick-Lawrence, via Rückblende in den Frühling 1898 zu switchen. Dort endlich ist der Startpunkt der Erzählchronologie erreicht.

Die folgt Sally Heathcotes Biografie. Und in jenem Jahr kommt die fiktive Protagonistin in den großbürgerlichen Haushalt der realen Standesbeamtin Pankhurst, als Dienstmädchen. Durch ihre Biografie und durch ihre Augen lässt Talbot die LeserInnen die Komplexität der Bewegung erleben – ihre Momente berauschender und machtvoller Solidarität ebenso wie ihre Zerwürfnisse, ihre herzzerreißenden Machtkämpfe und die Klassengegensätze, an denen sie letztlich, wenn sie mehr hätte sein sollen, als die Lösung eines Nebenwiderspruchs, siegreich gescheitert ist.

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