Ruhebewahren für Fortgeschrittene

Man kennt Guy Delisle als Weltenbummler, der haarscharf die Details der Kulturen seziert und dabei keine Scheu hat, arglos wie ein Kind auf Ungereimtheiten zu zeigen. Der Zeichenreporter dokumentierte seine Erlebnisse in Jerusalem, Pjöngjang, Shenzhen und Birma. In seinem aktuellen Werk „Geisel“, das nun in der deutschen Übersetzung vorliegt, fließen keine Selbstporträts aus seiner Bleistiftspitze: Der Franko-Kanadier bringt den Verlauf einer Entführung zu Papier und macht den Leser zum stillen Teilnehmer. „Ruhebewahren für Fortgeschrittene“ weiterlesen

Bei den Roma

Als der aus Fotos und Zeichnungen komponierte Comic 2010 in Frankreich erschien, war die Diskussion um Nicolas Sarkozys »nationalen Krieg gegen die Kriminalität«, im Zuge dessen unzählige Roma abgeschoben wurden, in vollem Gange. Plötzlich seien Fotos wie jene, mit denen er über zehn Jahre hinweg die Lage von Roma in Europa dokumentierte und von denen er in all den Jahren kein einziges an die Presse verkaufen konnte, in allen Medien, reflektiert Alain Keler im Epilog des Comics. „Bei den Roma“ weiterlesen

„Knast, der seinen Namen nicht sagt“

»Ach, das Asylantenheim suchense! Sindse sicher, dasse da hinwolln?!«, ruft eine ältere Einwohnerin von Halberstadt auf Paula Bullings Frage nach dem Weg zur Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber ungläubig aus. »Im Land der Frühaufsteher« beschreibt das Leben von Flüchtlingen in Sachsen-Anhalt, ihren Kampf gegen die Residenzpflicht, vergammelnde Heime, Alltagsrassismus und die drohende Abschiebung. Die Comicreportage problematisiert dabei immer wieder auch die eigene Perspektive der Beobachterin, die nach dem Besuch und Gespräch mit den Bewohnern der Heime in das eigene unkomplizierte und privilegierte Leben zurückkehren kann. „„Knast, der seinen Namen nicht sagt““ weiterlesen