„Die Gegenwart schon schlimm genug“

Der Sportreporter Eric Friedler berichtete 1946 von einem Kampf Hertzko Hafts in München, das Boxen sei »für viele Überlebende eine Sinnbild neu erwachter jüdischer Stärke und damit ein Symbol für ein zukünftiges Leben in Würde und Freiheit« geworden. Dieser »jüdischen Stärke« des Boxers Hertzko Haft geht eine tragische Gechichte voraus. „„Die Gegenwart schon schlimm genug““ weiterlesen

„Ich kann euch alle retten“

»Ich kann euch alle retten, wenn ihr mir Vertrauen schenkt! Ihr müsst einer nach dem anderen in mein Buch eingehen, um vor den Bösewichten in Sicherheit zu sein«, warnt Marc Chagall die anderen Schtetl-Bewohner. Sie alle verschwinden im Skizzenbuch Chagalls. Als nur noch er alleine einem antisemitischen Mob gegenübersteht, der das Schtel niederbrennen will, schwingt Chagall sich mit dem Buch unter dem Arm in den Himmel auf, und schwebt nach Paris. „„Ich kann euch alle retten““ weiterlesen

Im Namen des Wahnsinns

Ja! Genau! Denkst Du – und fühlst Dich ertappt. Jedenfalls, wenn Du selbst auch schon mal eine Dissertation geschrieben hast, vorzugsweise auch in einer der Geisteswissenschaften. Vom manisch-depressiven Narzissmus der Doktorandin Jeanne Dargan bis hin zur bräsigen, aber machtbewussten Sekretärin im Promotionsbüro: Das alles kommt dir, ja: auch in all seiner Klischeehaftigkeit wunderbar bekannt vor. „Im Namen des Wahnsinns“ weiterlesen

„Der Vergangenheit entsagen“

Ein Comic über die Suche nach einem besseren Leben und das Scheitern daran. Über den Tod, das kleine Glück und die Hoffnung auf eine »Heimat in der Menschheit als Ganzes«. Ein Neunzigjähriger stürzt sich kurz nach der Jahrtausendwende aus dem Fenster eines Seniorenheimes. Antonio Altarriba Lopez, der Vater des Autoren Antonio Altarriba, ist die Verkörperung spanischer Geschichte des 20. Jahrhunderts, die während seines Falls vor den Augen der Leser entfaltet wird. „„Der Vergangenheit entsagen““ weiterlesen

Luther, Tod und Teufel

Jetzt ist angeblich schon wieder ein neuer dazugekommen, aber meine Lektüreliste ist dicht: Drei Luther-Comics sind genug. Zumal alle drei so offenkundig dieselben Quellen nutzen: Moritz Stetter, das Team Johannes Saurer und Ulrike Albers und ebenso das Duo Thomas Dahms und Tobias Wagner beziehen ihr Wissen aus derselben Biografik. Sie haben, wenn überhaupt, dieselben Schriften des Reformators konsultiert. Und sie sind im Gleichschritt dieselben Episoden seiner Vita abgelaufen. Die Lektüre ihrer Werke lässt eine Topik des Luther-Comics erkennen. Was vorkommen muss, ist das Gelübde im Unwetter, der Reichstags-Auftritt und der Tintenfasswurf auf der Wartburg. Am Ende gibt’s mit etwas Glück eine artig zerknirschte Andeutung der „menschlichen Schwächen” – das ist das deutsche Wort für Judenhass. „Luther, Tod und Teufel“ weiterlesen

„Die Deutschen haben angegriffen“

Einem Fotoalbum gleich reihen sich die Panels in Florent Sillorays autobiographischem Comic »Auf den Spuren Rogers« aneinander; alte, vergilbte Bilder werden abgelöst von aktuelleren. Zwei Zeitebenen, zwei Perspektiven, eine Familiengeschichte. Als der Großvater Roger stirbt, wird sein Enkel Florent mit einer bislang unbekannten Seite an ihm konfrontiert: »Während meiner gesamten Kindheit hat mir Opa nie vom Krieg erzählt, in keinem der langen Momente, die ich mit ihm verbringen durfte.« „„Die Deutschen haben angegriffen““ weiterlesen

Die sture Lok

Emil Zátopek ist in Tschechien Nationalheld. Seine kürzlich als Comic erschienene Lebensgeschichte steht für die Kämpfe, die das Lande im vergangenen Jahrhundert mit Hitler im Westen und Stalin im Osten zu führen hatte. Im Rest der Welt ist Zátopek immerhin eine Sportlegende: 1952 gewinnt der Läufer, von nun an bekannt als „die tschechische Lokomotive“, in Helsinki gleich drei mal olympisches Gold: 5.000 Meter, 10.000 und dann noch im Marathon – seiem allerersten.

Doch weil auch Helden irgendwann das Vergessen droht, wenn man nichts dagegen tut, hat man 2016 zum Zátopek-Jahr ernannt. Auch seine Comic-Biographie, die Jan Novák geschrieben und Jaromír „Jaromír 99“ Švejdík gezeichnet hat, wurde darum vom tschechischen Kultusministerium gefödert. „Die sture Lok“ weiterlesen