Der letzte Kreis der Hölle

Manchmal gibts das in den Künsten: Da taucht ein Werk auf – und ab dann ist plötzlich alles anders. Es lässt sich nicht mehr so malen, singen oder schreiben wie früher. Die Sprache der Kunst und der Welt haben sich geändert, sind neu geworden: So, wie es nach Dantes Göttlicher Komödie plötzlich Italienisch gab und moderne, also neuzeitliche Literatur.

Das ist nun auch im Comic passiert: Manu Larcenet schöpft in seiner Tetralogie „Blast“ das gesamte gestalterische Vokabular dieser Kunst aus. Er – das ist das Gegenteil von Eklektizismus – verwandelt es sich und seiner Erzählung an. Und es ist eine Höllenfahrt, auf die Larcenet seinen adipösen Protagonisten vor fünf Jahren mit dem ersten Teil, „Masse“, geschickt hatte, und die sich im nun vorgelegten vierten Band – „Hoffentlich irren sich die Buddhisten“ – vollendet: Polza Mancini heißt er. Er ist ein Aussteiger ohne jedes Hippie-Pathos: Mancini Mitte-Ende 30, verlässt sein bürgerliches Leben und wird Penner, als er sich am Bett seines sterbenden Vaters auf der Krebsstation wiederfindet. „Noch am selben Tag und zum ersten Mal in meinem Leben, kam der Blast über mich“, berichtet er. „Der letzte Kreis der Hölle“ weiterlesen

Katalog des schönen Scheiterns

Sie sind die tragischen HeldInnen der Pop-Musik: Die one-hit wonders. Tragisch, weil sie mit einer Single Chart-Ruhm und damit verbundene Einnahmen kosten durften, um direkt danach wieder in der Bedeutungslosigkeit zu versinken – oder zumindest diesem einen Erfolg nie wieder auch nur nahe kamen. Doch das Heldenhafte dieser KünstlerInnen ist nicht, dass sie ganz oben waren, sondern ganz im Gegenteil, dass sie zu kurz im Blick der Öffentlichkeit standen, um sichtbar zu scheitern. Statt heute alt und peinlich im Dschungelcamp zu hocken, sind sie einfach nur weg – und haben doch Musikgeschichte geschrieben.

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