Blümchensex im All

Endlich am Ende des Labyrinths angelangt, steht Weltraum-Amazone Barbarella überrascht vor ihrer bisher größten Herausforderung: „Wie soll ich weiterkommen, wenn es gar keinen König zum Verführen gibt?“, fragt sie: „Was nun?“ Denn die Weltraumbluse aufzuknöpfen und mit Freund und Feind zu schlafen, das ist ihre über den gesamten Comic erprobte Strategie. Sex ist das, was Barbarella eben tut. Ihre Strahlenpistole ist Nebensache. „Blümchensex im All“ weiterlesen

Noch immer nichts zu lachen

Obwohl sein eigener Autor, Alan Moore, das dünne Büchlein erklärtermaßen nicht besonders leiden kann, ist „The Killing Joke“ eine der wichtigsten Batman-Geschichten aller Zeiten. Je nachdem, wen man so fragt, liegt das entweder an Moores philosophischem Gebrasel über Macht und Moral (das war damals eben so üblich), oder daran, wie einfühlsam und psychologisch klug konstruiert Moores Joker rüber kam. Oder aber – und das ist angesichts der am Wochenende an den Start gegangenen Verfilmung das einzig interessante – weil der Band eine Sexismusdebatte losgetreten hat, die einer ganzen Autoren-Generation nachhaltig in den Arsch getreten hat. Nur bei den Machern des Films ist sie offenbar nicht angekommen. Sie wollten zwar irgendwas besser machen, hatten sie erklärt. Am Ende ist dann aber erst mit ihrer Hilfe eine richtige Vollkatastrophe aus Moores problematischem Comic-Klassiker geworden. „Noch immer nichts zu lachen“ weiterlesen

Zehn Fakten über Moebius

1. Moebius heißt eigentlich Jean Giraud (dt. Schorsch Kamerun). Er ist ein französischer Comiczeichner, der aber keineswegs so aussieht, sondern eher wie ein französischer Poststrukturalist oder ein Psychotherapeut, der auch mal barfuß behandelt (dt. Foucault). Er hat erst Comics gezeichnet, in denen die Leute noch normal aussahen, und in denen es eine Geschichte gab.

2. Das waren Westerncomics (dt. Gefreiter Blaubeere). Es guckte aber durch die Landschaft schon der Irrsinn (Farben, Formen). „Zehn Fakten über Moebius“ weiterlesen

Der Mann, der zu viel tratschte

Was bisher geschah. Im Jahr 1995 stirbt Hugo Pratt: Seine „Corto Maltese“-Comics  ließen sich immer als ein Schwanengesang des Machismo rezipieren. Hugo Pratts wilde, ungezähmte Zeichenkunst, die dann doch immer wieder in diese rau-zärtliche Skizzenhaftigkeit ausfranste, die Lakonie des Helden und die lauernde Omnipräsenz raubtierhafter Gewalt machten klar: Diese Gestalt hing den Männlichkeitskonstruktionen Jack Londons  und Lebensentwürfen à la Ernest Hemingway nach. Hier blühten sie noch einmal, ein letztes Mal (und zugleich erstmals) in ihrer ganzen Schönheit, die, weil längst die Moderne ihn überflüssig gemacht und die Maschine den starken Mann ersetzt hat,  die Ahnung des Untergangs in einen staub-goldenen Schimmer hüllte, in dem sich die sonst an ihn gebundenen rassistischen und misogynen Denkmuster in nichts auflösten: Antikapitalistisch, libertär – anarchistisch.

Folgerichtig spielten die Geschichten, die sich sonst nur bedingt für Folgerichtigkeit interessieren, an allen nur erdenklichen Krisenschauplätzen, die nur dieses eine Kriterium erfüllen mussten: Die Weltgegend hatte so abgeschieden und technisch so weit rückständig zu sein, dass an ihr  die Tötung des Gegners noch in guter, alter Handarbeit zu erledigen war.
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„Er zeichnet genau wie er schreibt“

Herr Schwartz, wie sind Sie selber auf Töpffer gekommen?

Simon Schwartz: Er ist mir tatsächlich erstmals im Studium begegnet – aber nur als Begriff, Rodolphe Töpffer ist gleich: Anfang des Comics. Zeichnungen von ihm habe ich erst später kennen gelernt.

Wie?

Ich bekam eher per Zufall eine Ausgabe aus den 1970ern in die Finger: Die war katastrophal, einmal radikal verkleinert, um mehr als die Hälfte, und dann hatte man eine brutale, schreckliche Schrift in diese Kästchen reingequetscht. Trotzdem haben mich diese Geschichten sofort gekriegt. „„Er zeichnet genau wie er schreibt““ weiterlesen