„Die Gegenwart schon schlimm genug“

Der Sportreporter Eric Friedler berichtete 1946 von einem Kampf Hertzko Hafts in München, das Boxen sei »für viele Überlebende eine Sinnbild neu erwachter jüdischer Stärke und damit ein Symbol für ein zukünftiges Leben in Würde und Freiheit« geworden. Dieser »jüdischen Stärke« des Boxers Hertzko Haft geht eine tragische Gechichte voraus. „„Die Gegenwart schon schlimm genug““ weiterlesen

Linke Buchtage 2017

Vom 16. bis zum 18. Juni finden in Berlin die 15. Linken Buchtage statt – und damit auch eine weitere Ausgabe der von Jonas Engelmann kuratierten Ausstellung „Gerahmte Diskurse“, die wir hier seit einer ganzen Weile schon dokumentieren. Ein langer Satz, aber die Geschichte ist eigentlich ganz kurz: Geht auf die Linken Buchtage und guckt euch mindestens die Ausstellung an. „Linke Buchtage 2017“ weiterlesen

„Dinge, die sich nie ändern“

»Trotz alledem musst du wissen, Matt, es gibt Dinge, die werden sich leider nie ändern«, sagt ein »alter weiser Kapitän«, der namenlos bleibt, 1879 zu seinem Schiffsjungen Matthew Henson, einem schwarzen Jugendlichen, der aufgrund seiner Hautfarbe von anderen  Besatzungsmitgliedern verprügelt wurde. Henson hatte auf dem Schiff angeheuert, nachdem seine Eltern vom Ku-Klux-Klan an einem Baum aufgeknüpft worden sind – Alltag im Süden Amerikas in der Mitte des 19. Jahrhunderts. „„Dinge, die sich nie ändern““ weiterlesen

„Alltag in maritimen Grotesken“

Die Comics von 18Metzger transformieren Alltag in maritime Grotesken. Die Strips sind bevölkert von Matrosen, die keine Sekunde still sitzen können, ohne eine neue Geschäftsidee zu haben. Sie haben mobiles Internet, aber keinen Grund, das Haus zu verlassen. Falls doch, begegnen sie der neuen Mitte (an deren BDSM-Abend das Stoppwort »Freiwillige Selbstverpflichtung« lautet) auf ihrem Weg nach unten. „„Alltag in maritimen Grotesken““ weiterlesen

„Was aus dem autoritären Charakter wurde“

»Im Alter von neun bis vierzehn lernt D. Comics kennen und lieben. Diese Comics sind keine Kunstwerke, jedenfalls nennt sie niemand so, sondern Hervorbringungen der Kulturindustrie, verlegt von einer Firma namens Marvel.« Im Nachwort zu seinem Debüt als Comicszenarist und -Texter singt Dietmar Dath ein Loblied auf die Arbeitsteilung in der Comicindustrie – eine produktive Arbeitsteilung, die auch die Grundlage von »Mensch wie Gras wie« darstellt, der in Zusammenarbeit mit dem Zeichner Oliver Scheibler entstanden ist. „„Was aus dem autoritären Charakter wurde““ weiterlesen

„Dafür auch noch dankbar sein“

»Asylsuchende, die beschleunigte Asylverfahren durchliefen, waren unfairer Behandlung ausgesetzt und wurden häufig in ungeeigneten Einrichtungen inhaftiert«, heißt es unter anderem im Amnesty-International-Report von 2012 über Finnlands Umgang mit Flüchtlingen. Die Graphic Novel des Finnen Ville Tietäväinen, die sich die europäische Abschottungspolitik zum Thema gemacht hat, blickt statt auf die Politik des eigenen Landes auf das andere Ende Europas, auf die spanischen Küste. „„Dafür auch noch dankbar sein““ weiterlesen

„Ich kann euch alle retten“

»Ich kann euch alle retten, wenn ihr mir Vertrauen schenkt! Ihr müsst einer nach dem anderen in mein Buch eingehen, um vor den Bösewichten in Sicherheit zu sein«, warnt Marc Chagall die anderen Schtetl-Bewohner. Sie alle verschwinden im Skizzenbuch Chagalls. Als nur noch er alleine einem antisemitischen Mob gegenübersteht, der das Schtel niederbrennen will, schwingt Chagall sich mit dem Buch unter dem Arm in den Himmel auf, und schwebt nach Paris. „„Ich kann euch alle retten““ weiterlesen

„Dystopischer Blick ins Jahr 2016“

Rassismus, Armut, prekäre Arbeitsverhältnisse, Streik, ein Leben auf der Straße: die Themen des französischen Comiczeichners Baru sind geprägt von einem schonungslosen Blick auf gesellschaftliche Verhältnisse. »Schönes neues Jahr« wagt einen dystopisch gefärbten Blick in die Jahre 2016 und 2047 (ergänzt um eine kurze Story, die inmitten des Nordirland-Konflikt angesiedelt ist), in eine Welt, in der Nicolas Sarkozys Ankündigung, das »gewalttätige Gesindel« in den Banlieues »mit dem Hochdruckreiniger wegzuspritzen«, sich in eine Politik der rassistischen Gettoisierung zugespitzt hat. „„Dystopischer Blick ins Jahr 2016““ weiterlesen

„Der Vergangenheit entsagen“

Ein Comic über die Suche nach einem besseren Leben und das Scheitern daran. Über den Tod, das kleine Glück und die Hoffnung auf eine »Heimat in der Menschheit als Ganzes«. Ein Neunzigjähriger stürzt sich kurz nach der Jahrtausendwende aus dem Fenster eines Seniorenheimes. Antonio Altarriba Lopez, der Vater des Autoren Antonio Altarriba, ist die Verkörperung spanischer Geschichte des 20. Jahrhunderts, die während seines Falls vor den Augen der Leser entfaltet wird. „„Der Vergangenheit entsagen““ weiterlesen

„Die Deutschen haben angegriffen“

Einem Fotoalbum gleich reihen sich die Panels in Florent Sillorays autobiographischem Comic »Auf den Spuren Rogers« aneinander; alte, vergilbte Bilder werden abgelöst von aktuelleren. Zwei Zeitebenen, zwei Perspektiven, eine Familiengeschichte. Als der Großvater Roger stirbt, wird sein Enkel Florent mit einer bislang unbekannten Seite an ihm konfrontiert: »Während meiner gesamten Kindheit hat mir Opa nie vom Krieg erzählt, in keinem der langen Momente, die ich mit ihm verbringen durfte.« „„Die Deutschen haben angegriffen““ weiterlesen