Linke Buchtage 2017

Vom 16. bis zum 18. Juni finden in Berlin die 15. Linken Buchtage statt – und damit auch eine weitere Ausgabe der von Jonas Engelmann kuratierten Ausstellung „Gerahmte Diskurse“, die wir hier seit einer ganzen Weile schon dokumentieren. Ein langer Satz, aber die Geschichte ist eigentlich ganz kurz: Geht auf die Linken Buchtage und guckt euch mindestens die Ausstellung an. „Linke Buchtage 2017“ weiterlesen

Von Katastrophe zu Katastrophe

Unsterblich ist Rodolphe Töpffers Comic-Werk. Und doch kennen es nur die Wenigsten. Als laste ein Fluch auf ihm, geht es immer wieder unter. Dann erreicht es, von Nachzeichnern verstümmelt, von Verlegern vergewaltigt und von Raubkopierern verramscht, ungeahnte Popularität. Es feiert, auf Grundlage derartiger Plagiate, mal als Pop-Song, mal als Musical in den Niederlanden Triumphe –  und wird andernorts wieder vom unerbittlichen Monster, den Zeitläuften verschluckt. Woraufhin es ganz unerwartet, schwer übersetzungsbeschädigt und bereits halbverdaut an fernen Gestaden wieder ans Tageslicht tritt,   in Finnland,  unter falschem Namen  und  nachdem ihm auf dem Weg durch Frankreich, Deutschland und Schweden sämtliche identitätsstiftende Attribute abgenommen wurden. Der Autor kann sich ja nicht wehren: Schließlich ist er am 8. Juni  1846 gestorben, in Zeiten eines allenfalls rudimentären und noch ganz an Ländergrenzen gebundenen Urheberrechts.

Rodolphe Töpffer darf nicht nur nach Einschätzung des Bande Dessinée-Semiotikers Thierry Groensteen als Erfinder des Comics gelten.  Nun ist die Durchsetzung dieses Mediums zumal in Deutschland alles andere als glatt gelaufen.  Und möglicherweise weist deshalb die Geschichte der Rezeption seines Œuvres eine ähnliche Struktur auf, wie die Lebensläufe seiner Protagonisten.  „Von Katastrophe zu Katastrophe“ weiterlesen

Big Bird in den Tropen

Zum Schluss wird es fast ein wenig pathetisch. In den letzten Panels nämlich lässt Sascha Hommer den, bei aller radikaler Reduktion doch noch gut erkennbaren, Big Bird, diese überlebensgroße gelbe Figur aus der Sesamstraße, eine Abschiedsrede halten. In den USA war der Riesenvogel immer die populärste Figur der TV-Serie neben Kermit. In Deutschland trug er den Namen Bibo, und der NDR hatte ihn Anfang der 1980er-Jahre weitgehend eliminiert. In Hommers Comic-Erzählung „In China“ aber, die in einer Ausstellung im Hamburger Hinterconti vorgestellt wird, bekommt Bibo einen großen Auftritt.

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Der Comic ist die Rettung

Im Anfang ist die Zersplitterung: Als Projektionen geistern, fragmentiert, in Ultra-Nahaufnahme, die Gesichter der SpielerInnen, hier ein Auge, da ein Mund, über die in riesige Rahmen gespannten Leinwände, hinter denen sich zugleich ihre Silhouetten bewegen. Die ganze Bühne beherrscht diese verwinkelte Holzkonstruktion, die wirkt wie die vage Erinnerung an eine expressionistische Stadt. Oder wie chaotisierte, ineinander geschobene und in die Dreidimensionalität getretene Comic-Panels: Die ganze Welt ist aus den Fugen, hier, im Moks, der Spielstätte der Jugendsparte des Bremer Theaters. Von irgendwo schräg hinten kratzt röchelnd eine Geige. Immer wieder sprotzt sie denselben verendenden Ton in den dunklen Raum. „Der Comic ist die Rettung“ weiterlesen

Keine Helden, keine Monster

Erst auf den zweiten Blick verlieren die Zeichnungen den Sinn: Gerade noch war hier ein Totenkopf, dort ein Finger mit lackiertem Nagel. Aber nichts davon ist wirklich auf den Grafiken der New Yorker Künstlerin Rosaire Appel abgebildet. Und was geübte ComicleserInnen für Schrift halten müssen, entpuppt sich als bedeutungslose Zeichenkette. Es handelt sich nicht um eine fremde Sprache, sondern lediglich um Formen in Panels.

Zu sehen sind diese abstrakten Comics derzeit im Bremer „Projektraum 404”. Galerist Gregor Straube widmet sich hier seit eineinhalb Jahren nicht nur, aber vor allem dem Comic, dessen künstlerische Bandbreite er von den Rändern her erschließt. Out­sider-Art hat er bereits gezeigt und mit den Kollektiven „Habeas Corpus“ und „Nos Restes“ Szenegrößen des Belgischen Indie-Comics ausgestellt: brutale Geschichten mit Sex und pissenden Monstern. Doch die abstrakten Formen sind nicht weniger aufregend. Es ist die bisher größte Ausstellung der Galerie – zu groß für die nur zwei kleinen Räume und darum auf drei Etappen verteilt. An diesem Wochenende eröffnet Straube den abschließenden dritten Teil.

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Comics, die keiner kennt

Erbaulich sind die Comics des Belgiers Carl Roosens nicht gerade: Auf vollgestopften Zeichnungen wimmelt es von Gestalten mit verzerrten Fratzen, die es wenig lustvoll miteinander treiben. Ein nackter Riese mit Dreitagebart hebt spielerisch ein parkendes Auto in die Luft, während er einem anderen aufs Dach pisst. Die Szenen sind roh und skizzenhaft, spiegeln eher alptraumhafte Eindrücke als linear erzählte Geschichten.

Zumindest diese Station der Ausstellung „Belgische Independent-Comics – Zwischen Alltagskultur und Avantgarde“ im „Projektraum 404“ weckt Erinnerungen an die Zeit, bevor die Comics es sich unter dem Label „Graphic Novel“ im Kulturbetrieb gemütlich gemacht haben. Und natürlich ist das Absicht.

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Heimeliges im All

Eine einsame Gestalt in futuristischer Kleidung blickt in eine unwirtliche Landschaft, die nicht Teil dieser Welt ist. An einer zerklüfteten Felsformation kleben Gebäude, die aus der Ferne an Insektenbauten erinnern. Und doch liegt in der Fremdartigkeit etwas Einladendes und Vertrautes: die in Motiven bewahrte Science-Fiction-Tradition des vergangenen Jahrhunderts.

Die Ausstellung „Nerd Werk“ der Bremer Künstlerin Miriam Esdohr ist eine Fundgrube solcher Erinnerungen an Nie-Gewesenes. Auf den derzeit im Martinsclub ausgestellten Acrylgemälden ist kaum Szenisches zu sehen, aber aus Erfahrung weiß der Betrachter, dass ein Abenteuer unmittelbar bevorsteht. Denn kein Film und erst recht kein Computerspiel entwirft fremde Planeten um ihrer selbst Willen.

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