Zehn Fakten über Moebius

1. Moebius heißt eigentlich Jean Giraud (dt. Schorsch Kamerun). Er ist ein französischer Comiczeichner, der aber keineswegs so aussieht, sondern eher wie ein französischer Poststrukturalist oder ein Psychotherapeut, der auch mal barfuß behandelt (dt. Foucault). Er hat erst Comics gezeichnet, in denen die Leute noch normal aussahen, und in denen es eine Geschichte gab.

2. Das waren Westerncomics (dt. Gefreiter Blaubeere). Es guckte aber durch die Landschaft schon der Irrsinn (Farben, Formen).

3. Die Gesichter der Menschen waren auch schon Landschaften (Großaufnahme, Nase, Mund, Augen). Einfache, schmale Linien, die umeinander wirbelten und kreisten und alle ganz kirre machten.

4. Was ist das? Was macht der da bloß? Es ist doch nur ein Westerncomic! Aber es ist der Westen wie ein anderer Planet. Es stehen dort Stolperstufenpyramiden und Indianer (nur Weiße nennen sie Indianer, sie heißen eigentlich David Lynch, Irktusk oder wie du) schenken Zaubertränke aus. Wer als Kind hineinfällt, kommt nie wieder davon los und ist für jeden Kampf gegen die Römer vollkommen unbrauchbar.

5. Schatten, immer diese Schatten. Vor den Sonnenuntergangsfelsen, am Nasenflügel.

6. Aber sauspannend waren die! Moebius war nie so langweilig wie ein LSD-Trip. Es gab eine gute Geschichte und was zu lachen.

7. Dann gründete er eine Zeitung mit, die Métal Hurlant hieß (dt. Schwermetall).

8. Schweigsame Figuren segelten durch Höhen und Tiefen und streiften durch Stadtlandschaften wie die Tiere. Die Städte waren aus Pflanzen und Flächen. Sie lagen da wie schöne Menschen in einem Schaufenster in einer sehr schwülen Vorweihnachtszeit.

9. Was macht er da bloß? Wir wollen sie. Wir wollen in diese Stadt und uns in viele kleine Tropfen auflösen. Es ist peinlich und unangenehm. Wir waren noch nie durch eine Stadt erregt. Oder ein Haus. Oder einen Abgrund. Diese Farben fassen uns an. Die Farben sind von blassen Blumen, von den Vorhängen nach dem Aufwachen, in denen sich Gezwitscher verfängt, von Cocktails, von billigem Kinderspielzeug, vom Flirren über Wiesen und Flüssen, von Musik in Regenluft. Es muss irgendein Trick sein. Er baut in die Seiten etwas ein, was sie vibrieren lässt. Wir müssen alle Seiten auftrennen, auch wenn wir uns dabei in die Finger schneiden. Oh, alles kommt aus uns raus! Daher diese Farben!

10. Danach und immer wieder war Moebius ein französischer Coole-Sachen-Macher, der wahnsinnig vielen anderen Leuten gezeigt hat, wie man cool ist. Er gestattete französischen und anderen Filmen, bei ihm abzumalen: Alien, Das fünfte Element, Dune. Er arbeitete mit dem Berufsirren Jodorowsky zusammen, dem er sanft zeigte, dass die Kunst Amerikas groß und schön ist und nicht zerstört werden muss, es sei denn, es erhöht ihre Schönheit. Er malte mit Stan Lee einen Silver Surfer. Er machte alle seine Bücher am Computer nochmal. Er lachte viel, heiratete noch einmal, und trug eine Nickelbrille. Er starb und wusste danach wirklich Alles.